10.06.2006, 14:00 Uhr :
Euregio-Cup der F-Mädchen bei SV Union Wessum (Westfalen)


SV Union Wessum Borussia Emsdetten Olympia Bocholt FC Schüttorf VfL Ramsdorf TuS Roisdorf

In Hamburg können wir ganz gut mithalten. Das hatten wir mehrfach gezeigt. Heute wollten wir wissen,
wie gut wir gegen Mannschaften anderer Landesverbände aussehen. Ich darf vorweg nehmen, dass wir den
Hamburger Mädchenfußball recht gut repräsentiert haben. Beide Wellingsbütteler Mannschaften schafften
es jeweils in ihrer Alterklasse bis ins Finale - und die E-Mädchen konnten sogar den Turniersieg holen.

Da wir auch andere Leser als nur Eltern haben, möchte ich ein wenig über unsere Erkenntnisse berichten.
Im Landesverband Westfalen gibt es eine F-Mädchenstaffel. Man merkt sehr deutlich die Wettkampferfahrung.
Die Mädchen aus Westfalen spielen sehr körperbetont, häufig leider auch mit unlauteren Mitteln. Gespielt
wird mit einem schweren Ball. Hier finde ich die Richtlinie des HFV, mit Leichtbällen spielen zu lassen,
eindeutig besser. Eine Folge der schweren Bälle ist, dass man in Westfalen Schüsse der Torhüter über die
Mittellinie toleriert (schafft eh' keiner) und es kurze Ecken gibt. So einen schweren Ball nimmt natürlich
niemand freiwillig mit dem Kopf. Hier wirkten unsere Mädchen weiter - und hatten auch die Lufthoheit.
Die Einhaltung elementarer Fußball-Regeln (Handspiel, Abschlag nach Tor-aus, Schieben, Ziehen, Zupfen)
nimmt man in Westfalen nicht so genau wie bei uns. Eine weitere Differenz ist die Form der Begrüßung.
Man begrüßt sich vor- und verabschiedet sich nach dem Spiel. Die Spielführerinnen begrüßen und verabschieden
jeweils Gegner und Schiedsrichter - und schreien sich dann ihren mehr oder weniger originellen Schlachtruf
ins Gesicht. Teils eindeutig in der Absicht, den Gegner einzuschüchtern. Hier finde ich die Hamburger Variante
der Begrüßung durch den Schiedsrichter und das hanseatische "Hipp hipp - Hurra !" zum Spielende doch symphatischer.

Insgesamt sehe ich leichte technische Vorteile bei den Hamburger Mädchen und leichte kämpferische Vorteile
bei den Mädchen aus Westfalen. Und ich sehe die Zweckmäßigkeit eines F-Mädchen-Spielbetriebes - zumindest als
zusätzliches Angebot zu den 4-gg-4-Turnieren bestätigt. Warum sollte man fortgeschrittenen Mädchen nicht
gestatten, genau wie den Jungen auch, den sportlichen Wettkampf im Rahmen von Punktspielen zu suchen ?



Wir erreichten nach ca. 4 Std. Fahrt problemlos den kleinen Ort Wessum. Die kleine Taktlosigkeit der
Turnierleitung, ausgerechnet der weitgereistesten Mannschaft nach den Strapazen im Bus ein Umkleidezelt
mit einer gefühlten Temperatur von 45°C zuzuteilen, während andere Mannschaften in die wesentlich kühleren
und angenehmeren Kabinen konnten, übersahen wir großzügig. Wir zogen uns statt dessen einfach draußen um
bzw. "klauten" uns einfach eine Kabine. Wir hatten dann noch Zeit, auf dem Platz eine Wurst bzw. ein Steak
zu essen, zu trinken, uns zu erholen und schon mal etwas umher zu bolzen. Gegen 14:45 Uhr war es dann
endlich soweit : Unser erstes Spiel wurde angepfiffen ...



Welle - Borussia Emsdetten , 0:0
... und angepfiffen wurde die Partie durch den Trainer des Gegners. Jeweils die erstgenannte Mannschaft
musste den Schiri stellen. Das klappte auch - zumindest so einigermaßen. Die Borussen-Mädels erwiesen sich
als schwere Gegner und sollten sich später auch als unser ärgster Konkurrent im Kampf um den Gruppensieg
erweisen. Lena stand beim ersten Spiel im Tor und bekam recht wenig zu tun. Zu eng waren die Abwehrreihen
auf beiden Seiten - hier wollte wohl jeder einen Fehlstart vermeiden. Leider wurde das Rezept, es dann mal
mit Schüssen aus der 2.Reihe zu versuchen, nicht angewendet. Durchaus motiviert, aber dennoch noch nicht
vollständig aufgewacht, versuchten unsere Mädchen mit der ungewohnten körperlichen Härte klar zu kommen.
Am Ende stand es nach 10 Minuten Unentschieden.



Welle - Wessum II , 1:0
Die 2. Mannschaft unseres Gastgebers spielte recht selbstbewußt auf. Die hatten auch schon reichlich
Erfahrung. Kala erzielte den goldenen Treffer zum verdienten Sieg, der eigentlich 2:0 hätte lauten
müssen, wenn der Schiri unser Tor anerkannt hätte (Der Ball war eindeutig hinter der Torlinie, bevor
er von der Torhüterin wieder hinaus befördert wurde). Als brave Gäste verhielten wir uns ruhig - es
reichte ja zum Sieg. Klara stand jetzt wieder im Tor. Bekam ebenfalls wenig zu tun und die wenigen
Aufgaben meisterte sie souverän.



Welle - FC Schüttorf, 3:0
Viel war in der Zwischenzeit passiert. Borussia Emsdetten hatte jetzt schon gegen Schüttorf
gespielt und 3:0 gewonnen. Wenn wir den Gruppensieg aus eigener Kraft schaffen wollten, mussten wir hier
möglichst hoch gewinnen - anderenfalls wären wir auf die Hilfe von Wessum angewiesen, die im letzten Spiel
noch gegen Emsdetten ran mussten. Der Trainer der Borussen-Mädels rechnete natürlich auch mit - und
ermunterte seine Mädels dazu, unseren jetzigen Gegner Schüttorf lautstark anzufeuern.



Genützt hat es nix. Abgehärtet durch die Fangemeinden von Sternschanze und die der JSG-ACN, zeigten sich
unsere Spielerinnen unbeeindruckt von den Rufen. Es wurden sich viele Chancen erarbeitet, die bei besserer
Verwertung zu einem noch besseren Ergebnis hätten führen müssen. Am Ende stand es nach 3 Toren von
Anneleen 3:0 für uns. Die Mädchen aus Schüttorf, die heute nicht überzeugen konnten, waren damit noch
gut bedient. Gepfiffen wurde die Partie von Britta, die den unliebsamen Job sehr gut erledigte.



Jetzt hatten wir 7 Punkte und 4 Tore plus, Emsdetten hatte 4 Punkte und 3 Tore plus. Das letzte Gruppenspiel
wurde zwischen Emsdetten und Wessum ausgetragen. Gewinnt Emsdetten mit 2:0 oder höher, wären wir weg vom
Fenster. Ein 1:0 hätte zum Neun-Meter-Schießen zwischen Emsdetten und uns geführt. Ein Unentschieden oder ein
Sieg von Wessum hingegen würde uns den Gruppensieg und damit den Einzug ins Finale bescheren.
Ehrensache, dass wir nun unsererseits lautstark die Mädels von Wessum unterstützten. Noch zusätzlich verstärkt
durch unsere E-Mädchen, die gerade spielfrei hatten. Natürlich nur, um uns bei unseren lieben Gastgeberinnen
zu bedanken ;-))) Vielleicht hat unser Anfeuern den tapferen Mädchen aus Wessum tatsächlich etwas Mut gemacht.
Jedenfalls schafften sie es, gegen die feldüberlegenen Mädels aus Emsdetten ein torloses Unentschieden über
die 10 Minuten zu retten. Damit war unser Finaleinzug perfekt - und es wurde gejubelt !!



Welle - VfL Ramsdorf , 2:3 n.N.
Ramsdorf hatte sich in seiner Gruppe ebenfalls mit 7 Punkten und u.a. einem hohen Sieg (5:0 gegen Emsbüren)
den Gruppensieg gesichert und damit seinerseits den Einzug ins Finale perfekt gemacht. Wir waren also
gewarnt und begannen konzentriert. Trotzdem unterlief uns eine Kette von kleineren individuellen Fehlern,
an dessen Ende wir uns ein Gegentor nach einer Ecke einfingen - das erste Gegentor in diesem Turnier.
Wir lagen 0:1 hinten und kamen mit der harten Spielweise nicht gut zurecht. So mussten Franziska und auch
Anneleen raus, um sich Blessuren behandeln zu lassen. Anneleen konnte zum Glück nach einigen Minuten zurück.
Trotzdem gelang Kala erneut ein ganz ganz wichtiges Tor - jetzt stand es 1:1 und wir atmeten erst mal durch.
Im letzten Drittel konnten wir uns eine Reihe Chancen erspielen, die jedoch leider aus teils aussichtsreicher
Position vergeigt wurden. Nach regulärer Spielzeit stand das Spiel 1:1 und der Turniersieger musste mittels
Neun-Meter-Schießen ermittelt werden.



Trotz eigentlich reichlicher Spielerfahrung hatten wir bisher noch keine Entscheidung auf diesen Wege
herbei führen müssen. Jede Mannschaft schoss 5 Mal - uns es gab reichlich Fehlschüsse hüben wie drüben.
Lena, die zu diesem Zweck wieder im Tor war, hielt alles, was man halten konnte - und verwandelte sogar
"ihren" Strafstoß sicher, während Anneleen, Mareike, Kala und Klara, sonst eigentlich recht schussstark -
teils kläglich vergaben. Eine tragische Heldin gibt es zum Glück nicht. Jede - aber auch wirklich jede
Spielerin hat an irgendeiner Stelle des Spiels "vergeigt" - ob durch das Auslassen einer guten Chance,
in der Verteidigung oder beim Strafstoßschießen. Nach einen kurzen Augenblick der Depression (und sogar
mancher Träne) waren unsere Mädchen jedoch wieder quietschvergnügt. Nach einer erfrischenden
Dusche und einem Festmahl bei McDonalds ging es nach Hause.

Auf einen 2. Platz eines mit 8 Mannschaften teils stark besetzten Turniers darf man ruhig etwas stolz
sein. Die silbernen Medaillen werden sich unsere Mädels jedenfalls gern an die Wand pappen. Dass es
am Ende zum ganz großen Wurf nicht gereicht hat, sehe ich gelassen.
Man soll nicht immer so ehrgeizig sein ;-)))

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Britta, Elke, Birgit, Karen und Markus bedanken, die Strapazen
auf sich genommen haben, um bei der Betreuung der Mädchen zu helfen. Außerdem bedanke ich mich auch
bei unserem Busfahrer. Nicht nur, dass er uns sicher hin und zurück gebracht hat oder dass er geduldig
das teilweise recht bunte Treiben im Bus aushielt. Er pfiff sogar einige Spiele für die E-Mädchen,
damit Janina ihre Mannschaft coachen konnte. Das war all-incl.-Service erster Klasse !

Unsere Mädchen haben heute einen reichen Erfahrungsschatz mit nach Hause genommen. Außerdem viele
Eindrücke und Erlebnisse. Am wertvollsten wohl aber die neue Freundschaft zweier Mannschaften, der
1.E von Welle und unserer Mannschaft. Es wurde sich gegenseitig angefeuert, man sprach sich gegenseitig
Mut zu, gratulierte und tröstete sich. Und es wurde während der Rückfahrt kunterbunt zwischen den
Mannschaften gespielt, gelacht und gesungen. Letzteres bis kurz vor Mitternacht.

 

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