03.07. - 05.07.2009, 9:00 Uhr, Reise nach Dachau/Bayern




Wir haben Juli, die Saison neigt sich dem Ende zu. Wir haben genau noch 1 Turnier auf dem Programm.
Dieses führt uns etwas weiter weg. Wir fliegen erstmals nach Bayern, in das nahe München gelegene
Dachau. Dort hat die SV Günding zum Mädchenturnier geladen. Wir sagen immer ungern "nein" und ich
begann viele Monate vorher mit den Vorbereitungen ...

Vor fast genau einem Jahr testeten wir erstmals den Flieger als Verkehrsmittel zum Erreichen unseres
Turnierortes. Wir erinnern uns: damals ging es zum Frauen-Bundesligisten Crailsheim mit Flug über
Stuttgart. Das hatte "suppi" geklappt, also trauten wir uns in diesem Jahr gleich noch mal. Alles
klappte wie am Schnürchen. Alle Eltern lieferten ihre Kiddies pünktlich am Flughafen ab und problemlos
(weil eben schon routiniert) ging unsere Reise erst mit dem Flieger nach München und dann mit dem
Shuttleservice von "Kuno" nach Dachau, wo wir uns das Hotel Central ausgeguckt hatten.



Unsere Mädels erfüllten die "minimal requirements" an gutem Benehmen mühelos. Hotelpersonal und
auch einige Gäste bescheinigten unseren Mädels diesbezüglich eine überdurchschnittliche Reife.
Also hat das lange Üben endlich Früchte getragen ;-)
Nach der Nachtruhe nahmen wir, bereits umgekleidet unser Frühstück ein, bevor wir dann in das
Stadion im lieblichen bajuwarischen Dorf Günding gefahren wurden ...



04.07.2009, 9:00 Uhr, Dachau (Bayern) :
5. Power-Cup beim SV Günding






In Bayern baut man großzügig. Kleine Plätze, kleine Schwimmbäder oder unansehnlich-kleine Sozialräume,
dös ihs aar Schmarrn' - also fehlte an äußeren Bedingungen wirklich nichts. Auch das Wetter war, einigen
Pessimisten zum Trotz, kein Grund für Bedenken. Aber noch in einem weiteren Thema sollte ich hier mein
Paradies finden : die Straffheit der Turnierregeln, Mannschaftslisten, Passkontrolle und die Schiries waren
für mich "Regelzicklein" einfach traumhaft. Unten im Bild zu sehen: Passkontrolle mit Kontrolle der Bilder
in den Pässen nebst Kontrolle der Ausrüstung durch einen der Herren Schiedsrichter. Auch gepfiffen wurde knallig.
Nach heftigeren Fouls durfte man sofort 2 min zuschauen, eine musste sogar 2 min vom Feld, nachdem sie,
bereits verwarnt, bei einer Auswechselung nicht die Spielruhe abwartete.
Lohnt sich das ? Ich glaube schon. Es gab in den 3 parallel statt findenden Mädchenturnieren (U13, U15, U17)
nicht eine einzige Verletzte. Fast kein Foul blieb ungeahndet. Die Spielerinnen merkten das.
Ich fand das einfach Klasse.



Nun aber zum Turnier selbst. Es waren 8 Mannschaften am Start. Es wurde in 2 Gruppen gespielt, mit Halbfinale
und Finale. Wir kannten natürlich nicht einen der Gegner. Trotzdem sagte ich den Mädchen beim Training am
Donnerstag die Finalpaarung Wellingsbüttel-Eching voraus. Kühne Vermutung, die auf "Internetspionage" fußte.
Wir ließen uns also begrüßen. Natürlich waren die Veranstalter auch ein wenig stolz darauf, so weitgereiste
Teilnehmer gewonnen zu haben und deshalb gab es für uns immer ein kleines bischen mehr Applaus ;-)



Die straffe Regelauslegung konnte jedoch nicht die bayrische Gemütlichkeit überstechen. Eine gute halbe Stunde
verspätet begann das Turnier, jedes Spiel 18 min, wir hatten zwischen jedem Spiel immer 2 Spiele Pause.

Welle - SV Pullach , 5:0
Tja, was soll ich da schreiben ? Unser Gegner war uns körperlich unterlegen (ja, das gibt's), ich vermute,
dass hier keine E-Mädchen Spielmöglichkeit in der Region gegeben war, sonst macht man das nicht. Die Pullacher
Spielerinnen stammten aus den Jahrgängen 97 und vornehmlich 98. Nach weniger als 20 Sekunden stand es 1:0 für
Welle. Sorgsam darum bemüht, sich auch ja nicht mit Ruhm zu bekleckern, spielten unsere Mädels relaxt ihren
Stiefel runter. Als ob mich die Mädels für unser letztes Trainingsthema (Kurzpassspiel) ver....... wollten,
schoben sie sich, schon im Strafraum, noch möglichst oft den Ball hin und her, bis sich dann endlich mal
jemand erbarmte. Mit einen 5:0 habe ich außerdem eine schlechte Handhabe zum meckern ...
Hervorzuheben ist, dass Dana gleich in ihrem ersten richtigen Einsatz für Welle traf - und auch Marie trug
sich erstmals in die Torschützenliste ein. Die anderen 3 Dinger kamen von Anne ...



Welle - SG Günding/Dachau , 9:0
Ich versprach den Mädels, dass es nun etwas schwieriger werden wird. Nur sieht das Resultat nicht danach aus.
Fakt ist aber, dass unsere Mädels plötzlich sehr viel effizienter spielten. Sie mauerten nicht und gaben Gas.
Der Gegner (unser Gastgeber, au Backe!) war zwar etwas stärker als der vorige, nur forderten sie damit nur
den Ehrgeiz der Welle-Mädels heraus. Wir spielten schnell, präzise und ideenreich - plötzlich klappte alles
wie gewünscht. Auch mehrfache Auswechselungen brachten den Motor nicht ins Stocken. Erst als ich (ersatzlos)
Malina vom Feld holte, kam der Gegner auch mal in unsere Hälfte. Für das Ehrentor reichte das trotzdem nicht,
aber immerhin blieb unseren symphatischen Gastgebern die Zweistelligkeit erspart.
Tore : 3x Anne, 3x Dana, je 1x Martina, Marie und Klara.



Welle - FC Lengdorf , 2:0
"Wieso spieln's mit Turnschuhen ?", fragte mich der Gegnertrainer lange vor dem Spiel. Ich erklärte ihm, was
ein Grandplatz ist - und bedauernd schaute er mich an: "Do hobt's aber schonn a Nachdeil, auf Rasen".
"Ich glaube, nicht", blieb ich bescheiden und verwies auf die Existenz einiger Rasenplätze in und um Hamburg
und auf die daraus resultierenden Erfahrungen mit diesem Geläuf.
Lengdorf machte uns die Aufgabe jedoch schwer. Durch Tore von Martina und Anne siegten wir am Ende aber
doch deutlich. Natürlich waren wir mit diesen 3 Siegen als Gruppenerster für das Halbfinale qualifiziert.



Halbfinale : Welle - TSV Bergkirchen , 4:1
Auch dieses Spiel konnten wir dominieren, jedoch waren wir rätselhaft unruhig und nervös. Es schlichen sich
taktische und Stellungs-Fehler ein und einen solchen konnte unser Gegner zum 0:1 nutzen. Da standen wir wie
begossene Pudel und brauchten eine gewisse Zeit, um dann, so ungefähr ab der 10.Minute, zurückzuschlagen.
(also: bei einem Turnier mit nur 10 min Spielzeit wäre das schon mal in die Hosen gegangen)
So aber, nutzen wir die verbleibenden 8 Minuten gut und fanden zur alten Stärke zurück. Erst der Ausgleich
und dann, diverse Minuten später, 3 weitere Tore im Minutentakt. Wir waren im Finale !!



Finale : Welle - TSV Eching , 1:3 n.E.
Nun hatte ich also doch Recht behalten. Es kam tatsächlich zur Finalpaarung Welle-Eching. Anders als
im Bericht unseres Gegners bechrieben, sah ich anfangs Eching etwas stärker und druckvoller als wir.
Eine Tapferkeitsmedaille verdienten sich heute jedoch Inga und auch ganz besonders Malina und Fenja in der
Verteidigung. Was die da abräumten, war einfach traumhaft. Aus abgewehrten Angriffen entwickeln sich natürlich
auch gelegentlich Gegenangriffe. Und die waren teils nicht ungefährlich. Am meisten trauerte ich einer
Situation nach, in welcher ein Steilpass auf die loslaufende Anne zu einer "100%igen" geführt hätte, aber
der Pass kam nicht an und versiegte irgendwo auf halbem Weg im halbhohen Gras.
So blieb es beim torlosen Unentschieden - leistungsgerecht, wie ich betonen möchte. Unser Gegner war uns
ebenbürtig, in einigen Belangen vielleicht sogar leicht überlegen. Es kam also zur Entscheidung durch
Strafstoßschießen. Dieses wurde hier von der 11 (!) Meter Marke ausgeführt. Selbst wenn es die hamburgischen
9 Meter gewesen wären, unsere 3 Fehlschüsse wären da auch nicht drin. Wir waren leider zu unkonzentriert
und/oder etwas Glück fehlte. Einzig Käpt'n Anne konnte ihren Schuss ( zum zwischenzeitlichen 1:1 ) versenken.
Jana, bisher wenig beschäftigt, in der letzten Partie aber ein sehr sicherer Rückhalt, hielt uns während des
Elfmeterschießens mit 2 Paraden bis zum letzten Schuss des Gegners im Rennen.



Damit sind wir Zweiter, auch nicht schlecht, könnte man sagen. Natürlich ist es immer etwas traurig, wenn nur ganz
wenig für den großen Triumph fehlte. Die gute Laune gewann aber recht bald die Oberhand über die Trauer.
Immerhin gab es auch für den Zweitplatzierten einen schicken großen Pokal (und viel Applaus) und Spaß gemacht
hatte das Turnier allemal (man erreicht das Finale nicht alle Tage mit 20:1 Toren). Sportlich ist unser
Abschneiden eh' OK und neue Erfahrungen haben wir auch gesammelt ;-)

Unser "Kuno-Taxi" holte uns alsbald ab und brachte uns zurück nach Dachau, allerdings nicht ins Hotel,
sondern in das Freibad der Stadtwerke Dachau. Und das war echt der Knüller !!!

Den gesamten Rest des Nachmittags bis in die Abendstunden hinein blieben wir dort und auch am Sonntag
besuchten wir die Einrichtung noch einmal für gute 3 Stunden. Neben 3 großen Becken (Sprung, Bahnen und
Nichtschwimmer zum Toben) gab es Rutschen, Sprungturm, Fußball- und Volleyballfeld, Spielplätze und, und, und ...



Ein Knüller war auch die Besatzung der Bademeisterei. Einer der Herren fragte unsere Mädels, ob sie nicht Lust
hätten, bei ihm ( bei den "Alto-Mädels" ) Fußball zu trainieren. Unsere Mädels gaben den Trainingsanfahrtsweg
zu bedenken. Als klar wurde, dass wir aus Hamburg kamen, meldete sich der andere (etwas reifere) Herr zu Wort.
"Spielt Ihr immer noch hinter der Peter Petersen Schule ?" Ich war wie vom Donner gerührt, über so viel Orts-
kenntnis, in bayrischen Dialekt, 750 km von zu Haus. Er erzählte dann, dass er seit 40 Jahren in Bayern wohnt,
aber in Wellingsbüttel geboren wurde und dort auch gespielt hat. Später schenkte er uns noch ein Beweisfoto -
aus dem jahre 1962, da war selbst ich noch Quark im Schaufenster ;-)
( er selbst war der junge Mann auf dem Foto unten, der zweite von rechts )



Die Welt, insbesondere die Fußball-Welt, ist manchmal beängstigend klein. Aber schön, immer und überall
irgendwelche Gemeinsamkeiten zu entdecken. Wir haben an beiden Tagen jedenfalls mit den beiden Herren noch
viel gequatscht und man nahm sich vor, in Kontakt zu bleiben. Vielleicht kommen die Alto-Mädels sogar zu
unserem Neujahrsturnier. Und wenn nicht, dann fliegen wir halt noch mal hin (selten hörte man ein "au jaaaaa"
heller und lauter von meinen Mädels ;-)))



Der Abend verlief weitestgehend unspektakulär. Wir gingen die 20 min zu Fuß in unsere Unterkunft. Unterwegs gönnten
wir uns diesmal ein Abendbrot bei Subway (frisch zubereitete, mega-lecker Sandwiches). Nochmal Duschen, etwas fern-
sehen und dann zu Bett gehen (dies taten die Mädels höchst freiwillig, der Tag war anstrengend). Morgens dann wieder
Frühstück, Koffer packen (die wir freundlicherweise im Hotel lassen durften, damit wir die nicht mit ins Freibad
schleppen mussten). Das Wetter war morgens hochsommerlich schön ...



Um die Mittagszeit herum wurden wir von einem kleinen Gewitterschauer erwischt. Wir nutzten die Zeit, um uns je
ein Crepes zu genehmigen und setzten unsere Outdoor Aktivitäten auf dem Lande fort ( Fußball, Schach, Spielplatz ).
Aber sehr bald war die Sonne wieder da und es wurde auch sofort wieder heiß. Sofort wurden die Aktivitäten wieder
ins Wasser verlagert. Insbesondere die schon erwähnte Rutsche hatte es den Mädels angetan. Man war lange
genug unterwegs, um während der Schussfahrt abwärts ein Welle-Liedchen zu singen ;-)

Am Ende stellten wir uns, gemeinsam mit unseren beiden coolen Bademeistern zum Gruppenfoto. Als wir gegen halb 3
das Freibad verließen, gab es für die 300 Badegäste noch eine kleine Durchsage : "Wir verabschieden die starken
Fußballerinnen aus Hamburg-Wellingsbüttel und wünschen einen guten Heimflug !"
Danke !



Nachdem wir zum Franz-Josef-Strauß-Fughafen gefahren wurden, checkten wir ein. Diesmal ohne lange Warterei,
wir waren ruck-zuck zurück in Hamburg, wo wir am Flughafen von der entsprechenden Schar der Eltern,
empfangen wurden.



Es gab Blumen für die beiden Trainer. Danke sehr ! Ich habe sie mal an meine liebe Frau weitergeleitet, die
diesmal meinen ersten großen Dank erhält. Um 22 Uhr war die Mannschaftskleidung bereits gewaschen und bereit
für den nächsten Einsatz (aber aufgehängt habe ich die Sachen !!)

Danke natürlich auch an Britta. Ich glaube, die Mädels hatten ein sehr schönes Wochenende.
Unsere "map of fame" habe ich nun aktualisiert. Wo dunkelgrün ist, waren wir schon. Die roten Punkte sind die
Orte von Wellingsbüttel und Altomünster. Vielleicht haben wir neue Freunde, da unten im Süden ...


 

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